Der chinesische Technologieriese Baidu hat bekannt gegeben, dass sein generatives KI-Produkt ERNIE Bot nun über verschiedene App-Stores und seine Website für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
ERNIE Bot kann basierend auf natürlichen Spracheingaben Texte, Bilder und Videos generieren. Angetrieben wird es von ERNIE (Enhanced Representation through Knowledge Integration), einem leistungsstarken Deep-Learning-Modell.
Die erste Version von ERNIE wurde 2019 von Forschern der Tsinghua-Universität vorgestellt und als Open-Source veröffentlicht. Sie demonstrierte die Fähigkeiten des Modells, Text- und Wissensgraphdaten zu kombinieren. Noch im selben Jahr veröffentlichte Baidu ERNIE 2.0, das erste Modell, das im GLUE-Benchmark zur Bewertung von Systemen für das Verständnis natürlicher Sprache einen Wert von über 90 erzielte.
2021 präsentierten Baidus Forscher ein Paper zu ERNIE 3.0, in dem sie behaupteten, das Modell überträfe menschliche Leistungen im SuperGLUE-Benchmark für natürliche Sprache. Damit setzte ERNIE 3.0 einen neuen Höchstwert und verdrängte Konkurrenten wie Google und Microsoft.
Laut Baidus CEO Robin Li wird die Öffnung von ERNIE Bot für die Allgemeinheit dem Unternehmen helfen, mehr Feedback von Nutzern zu erhalten und das Nutzererlebnis zu verbessern. ERNIE Bot demonstriere die vier Kernfähigkeiten generativer KI: Verstehen, Generieren, Schlussfolgern und Erinnern. Zudem könne ERNIE Bot Nutzern bei Aufgaben wie Schreiben, Lernen, Unterhaltung und Arbeit unterstützen.
Baidu präsentierte ERNIE Bot erstmals im März dieses Jahres und zeigte seine Fähigkeiten in Bereichen wie Literatur, Kunst und Wissenschaft. So kann ERNIE Bot beispielsweise einen Science-Fiction-Roman zusammenfassen und Vorschläge zur Fortsetzung der Geschichte in einem erweiterten Universum machen.
Anfang dieses Monats enthüllte Baidu, dass die Trainingskapazität von ERNIE Bot seit März dreifach gestiegen ist. Das Tool kann nun Ergebnisse schneller generieren und auch Bildinputs verarbeiten.
Laut Bloomberg gehört Baidu zu den ersten chinesischen Unternehmen, die die Genehmigung erhalten haben, generative KI-Erfahrungen öffentlich anzubieten. Offizielle Stellen in China sehen KI als geschäftliches und politisches Muss und möchten sicherstellen, dass die Technologie verantwortungsbewusst und ethisch eingesetzt wird.
Pekings KI-Leitplanken
Die "Leitplanken" beziehen sich auf die Regeln, die die chinesischen Behörden im Juli 2023 für generative KI in China veröffentlicht haben. Diese Regeln sind umfassender als aktuelle Vorschriften in anderen Teilen der Welt. Sie decken verschiedene Aspekte von generativer KI ab, wie Inhalt, Daten, Technologie, Fairness und Lizenzierung.
Ein bemerkenswerter Punkt ist, dass Betreiber von generativer KI sicherstellen müssen, dass ihre Dienste den Kernwerten des Sozialismus entsprechen und Inhalte vermeiden, die zur Untergrabung der staatlichen Macht, zum Separatismus oder zu Terrorismus anstiften.
Die Vorschriften betonen auch Chinas Interesse an der Entwicklung digitaler öffentlicher Güter für generative KI und die Bedeutung von sicherer und bewährter Technologieentwicklung.
Die Regeln Chinas haben nicht nur Auswirkungen auf inländische KI-Betreiber, sondern dienen auch als Maßstab für internationale Diskussionen über KI-Governance und ethische Praktiken.