Inhaltsverzeichnis:
Jugendliche, Mathematiker und Medien setzen sich mit den Grenzen künstlicher Intelligenz auseinander
Studie: Jeder dritte Jugendliche hält KI für klüger als die eigenen Lehrkräfte
Eine Studie der Universitäten Tübingen und Kiel kommt zu dem Ergebnis, dass rund jeder dritte Jugendliche Künstlicher Intelligenz mehr Wissen zuschreibt als den eigenen Lehrerinnen und Lehrern. Befragt wurden 870 Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klasse, die im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich besonders begabt sind.
Die Untersuchung erschien im Journal of Educational Psychology. Die Jugendlichen wurden zwischen 2023 und 2024 befragt. Nur wenige hielten KI für allwissend, zugleich zeigte sich aber, dass eine solche Überzeugung stabil bleiben kann: Wer bereits 2023 an eine unfehlbare KI glaubte, vertrat diese Einschätzung auch im Folgejahr.
Besonders leistungsstarke Jugendliche erkannten Fehler von KI eher und hinterfragten die Antworten kritischer als leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler. Die Forschenden warnen deshalb davor, dass Bildungsungleichheiten zunehmen könnten, wenn Jugendliche mit weniger kognitiven Fähigkeiten anfälliger für den Glauben an eine unfehlbare Technologie und damit für Fehlinformationen bleiben.
„Schülerinnen und Schüler sollten systematisch darin gefördert werden, KI-Antworten zu prüfen, Fehler und Halluzinationen zu erkennen“, fordert Ann-Kathrin Jaggy von der Universität Tübingen.
Nach Angaben des SWR darf sich das Bildungssystem nicht darauf verlassen, dass Jugendliche allein durch das Ausprobieren und die alltägliche Nutzung von KI lernen, deren Ergebnisse kritisch zu prüfen. Zugleich weist die Quelle darauf hin, dass die Studie auf besonders begabte Jugendliche konzentriert war und die Ergebnisse daher nur bedingt auf andere Schülerinnen und Schüler übertragbar sind.
Infobox: Untersucht wurden 870 Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klasse. Rund jeder dritte Jugendliche hielt KI für wissender als die eigenen Lehrkräfte; kritisches Denken half dabei, Fehler eher zu erkennen.
Leiden Declaration fordert bewussten Umgang mit KI in der Mathematik
Die Internationale Mathematische Union und tausende einzelne Mathematiker unterstützen die „Leiden Declaration on Artificial Intelligence and Mathematics“. Das Regelwerk wurde am Sonntag beim International Congress of Mathematicians in Philadelphia offiziell vorgestellt und enthält Empfehlungen für Forschende, Organisationen und die öffentliche Hand.
Ausgangspunkt war die Konferenz „Mechanization and Mathematical Research“, die im September 2025 am Lorentz Center der niederländischen Universität Leiden stattfand. Daraus entwickelte sich unter der Leitung Jim Portegies’ eine Arbeitsgruppe mit Mathematikern von Universitäten aus Großbritannien, den Niederlanden, Polen, den USA und der Schweiz.
Die Erklärung betont, dass Mathematiker selbst entscheiden können, ob sie KI für ihre Forschung einsetzen. Unabhängig davon bleibe jeder Forscher für das Gedeihen der Disziplin sowie für die Richtigkeit der eigenen Arbeit verantwortlich. Menschen hätten die Grundlagen für KI-Forschungsergebnisse geschaffen, sollten dafür Anerkennung erhalten und weiterhin neue Fragen sowie relevante Forschungsaufgaben formulieren.
Als Risiko nennt die Erklärung plausible, aber unzuverlässige oder falsche Thesen, die sich nur schwer von korrekten mathematischen Beweisen unterscheiden lassen. Fehlende Quellenangaben könnten zudem das wissenschaftliche Überprüfungssystem und die Standards für Richtigkeit, Transparenz und unabhängige Überprüfbarkeit gefährden.
Nach Darstellung von heise online sind Studenten und angehende Mathematiker überproportional betroffen. Zugleich würden Medien KI-unterstützte Forschungsergebnisse häufig zu stark vereinfachen und automatisierte Werkzeuge überbetonen, während menschliche Beiträge in den Hintergrund rückten.
Empfehlungen der Leiden Declaration
- Werkzeuge offenlegen und Überprüfungen unterstützen.
- Open-Science-Prinzipien einhalten und für die Korrektheit der eigenen Arbeit Verantwortung tragen.
- Den menschlichen Autor hervorheben und ordentliche Quellenangaben sicherstellen.
- Neue Technik verfolgen, neue Mitwirkende willkommen heißen und Werkzeuge mit Bedacht auswählen.
- Ethische Konsequenzen bewerten und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Auch Organisationen und Non-Profit-Geldgeber sollen laut Erklärung Kompetenzen aufbauen, strategisch planen, strenge Standards einhalten, Autorenrechte schützen und angemessene Veröffentlichungen einschließlich Peer Review verlangen. Zudem sollen sie öffentliche Forschungseinrichtungen unterstützen, gleichberechtigte Kooperationen mit der Privatwirtschaft ermöglichen und ihre Budgets an den eigenen Werten ausrichten.
Von der öffentlichen Hand fordert die Erklärung den Schutz von Autorenrechten, eine Orientierung an Experten einschließlich Mathematikern, die Regulierung der KI-Branche und Investitionen in öffentliche Rechner-Infrastruktur. Mehr als 3.000 Mathematiker aus aller Welt hatten das Dokument unterzeichnet. Unterstützung kam außerdem von der britischen Academy for the Mathematical Sciences, der London Mathematical Society, dem Isaac Newton Institute for Mathematical Sciences sowie mehreren Universitäten.
Infobox: Die Leiden Declaration richtet sich an Mathematiker, Organisationen, Non-Profit-Geldgeber und die öffentliche Hand. Mehr als 3.000 Mathematiker unterzeichneten das Dokument; die Internationale Mathematische Union unterstützt es offiziell.
Israel: Tagesschau berichtet über Deepfakes und Desinformation im Wahlkampf
tagesschau.de widmet sich dem Einsatz von Deepfakes und Desinformation im israelischen Wahlkampf. Der Beitrag steht im Zusammenhang mit dem Ende der Legislaturperiode und der Auflösung der Knesset.
Die Quelle veröffentlichte den Audiobeitrag am 17.07.2026. Am selben Tag berichtete tagesschau.de außerdem über den Beginn der heißen Wahlkampfphase und darüber, dass sich die Knesset in Israel auflöst.
Weitere im Zusammenhang aufgeführte Beiträge befassen sich mit arabischen Frauen vor der Wahl. Diese Beiträge wurden am 04.07.2026 veröffentlicht.
Infobox: Im Mittelpunkt steht der Einsatz künstlich erzeugter Inhalte und von Desinformation im israelischen Wahlkampf. Der Audiobeitrag wurde am 17.07.2026 veröffentlicht.
Oberharz: Vitalhotel setzt nach Insolvenz auf bewährte Mitarbeiter und KI
Das „Vitalhotel“ in Schulenberg soll nach einer Insolvenz neu ausgerichtet werden. Die neuen Pächter setzen dabei laut Goslarsche.de sowohl auf bewährte Mitarbeiter als auch auf Künstliche Intelligenz.
Die Quelle kündigt an, zu erläutern, wie dieses Zusammenspiel funktionieren soll und welche weiteren Veränderungen geplant sind. Der im vorliegenden Beitrag verfügbare Inhalt nennt jedoch keine näheren Angaben zu den konkreten KI-Anwendungen, zu den Aufgaben der Mitarbeiter oder zu den sonstigen Änderungen im Hotelbetrieb.
Infobox: Das Vitalhotel in Schulenberg wird von neuen Pächtern übernommen. Vorgesehen ist eine Kombination aus bewährten Mitarbeitern und Künstlicher Intelligenz.
BR veröffentlicht KI-Kodex für den Bayerischen Rundfunk
Der Bayerische Rundfunk nutzt Künstliche Intelligenz zur Erfüllung seines Programmauftrags und folgt dabei gemeinsamen Standards der ARD-Landesrundfunkanstalten, der Deutschen Welle, des ZDF und von Deutschlandradio. Der BR erklärt außerdem, transparent machen zu wollen, wie und wo Inhalte mit KI erstellt wurden.
Der auf BR.de veröffentlichte KI-Kodex trägt den Stand 23.07.2026. Darin wird KI als Fähigkeit von Computern beschrieben, Aufgaben zu erledigen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern, etwa Lernen, Problemlösen oder Sprachverständnis.
Der erste Grundsatz lautet „Mehrwert“. KI soll nicht zum Selbstzweck eingesetzt werden, sondern als Werkzeug dienen, wenn sie einen Mehrwert bei der Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags bringt. Genannt werden effizientere journalistische und administrative Prozesse.
Der zweite Grundsatz betrifft Vielfalt und verantwortungsvolle Personalisierung. KI soll zu mehr Inklusion und einem möglichst barrierefreien Zugang zu Inhalten beitragen. Der BR erklärt, sich der diskriminierenden Stereotype in Trainingsdaten bewusst zu sein und Filterblasen-Effekten aktiv begegnen zu wollen.
Besonders hervorgehoben werden redaktionelle Kontrolle und Transparenz. Auch bei Unterstützung durch generative KI sollen journalistische Sorgfaltsgrundsätze eingehalten werden. Die publizistische Verantwortung liege beim Menschen und nicht beim System; der Einsatz generativer KI soll nach transparenten Regeln gekennzeichnet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die KI- und Datenkompetenz. Der BR will auf Integrität und Qualität der Daten achten, mit denen eigene Modelle trainiert werden, und beim Finetuning Basismodelle bevorzugen, deren Trainingsdaten transparent sind. Mitarbeitende sollen geschult und über Potenziale und Risiken von KI aufgeklärt werden.
Der Kodex sieht außerdem Austausch und Partnerschaften mit anderen Medienhäusern, Institutionen aus Wissenschaft und Forschung sowie weiteren geeigneten Initiativen und Unternehmen vor. Beim Finetuning und bei der Nutzung von KI-Modellen soll zudem auf Energieeffizienz geachtet werden.
| Grundsatz | Inhalt |
|---|---|
| Mehrwert | KI wird als Werkzeug eingesetzt, wenn sie den öffentlich-rechtlichen Auftrag unterstützt. |
| Vielfalt bei verantwortungsvoller Personalisierung | KI soll Inklusion und Barrierefreiheit stärken; Filterblasen-Effekten soll begegnet werden. |
| Redaktionelle Kontrolle und Transparenz | Die publizistische Verantwortung bleibt beim Menschen, der KI-Einsatz wird transparent gekennzeichnet. |
| KI- und Datenkompetenz | Datenqualität, transparente Trainingsdaten sowie Schulung und Aufklärung der Mitarbeitenden stehen im Mittelpunkt. |
| Austausch und Partnerschaften | Kooperationen mit Medienhäusern, Wissenschaft, Forschung und weiteren Partnern werden angestrebt. |
| Nachhaltigkeit | Beim Finetuning und bei der Nutzung von KI-Modellen soll auf Energieeffizienz geachtet werden. |
Infobox: Der BR-KI-Kodex wurde am 23.07.2026 aktualisiert. Er umfasst sechs Grundsätze: Mehrwert, Vielfalt bei verantwortungsvoller Personalisierung, redaktionelle Kontrolle und Transparenz, KI- und Datenkompetenz, Austausch und Partnerschaften sowie Nachhaltigkeit.
Bayreuther Festspiele: Gemischte Reaktionen auf KI-„Rheingold“
Bei den Bayreuther Festspielen sorgt eine KI-gestaltete Bühnenbildidee für gemischte Reaktionen. Die erste Episode des Jubiläums-„Rings“ wurde nach Angaben von SZ.de von vielen und lauten Buh-Rufen begleitet, erhielt aber auch Applaus.
Die Aufführung dauerte zweieinhalb Stunden. Dabei warf die KI Assoziationen zu Rheintöchtern, Gold, Ring, Zwergen, Göttern und der Bayreuther Aufführungsgeschichte in den Zuschauerraum.
Die Sänger standen weitgehend regungslos auf der Bühne und gingen häufig in einem ruhelosen Gewusel unter oder dahinter. Die Bildwelt erinnerte in vielen Momenten an Salvador Dalí. In starken Szenen zeigte die Inszenierung laut Quelle, wozu KI auf der Bühne künftig fähig sein könnte; in schwächeren Momenten wurde sie als undefinierte „Farbsuppe“ beschrieben.
Kritik richtete sich außerdem gegen das fehlende Regiekonzept, die fehlende Figurenführung und die kaum vorhandenen Interaktionen zwischen den Charakteren. Dadurch sei selbst „Rheingold“, der mit Abstand kürzeste Teil von Wagners Tetralogie, quälend lang geworden. Offen bleibe, wie sich die nahezu konzertante Produktion bei den stundenlangen Nachfolgern entwickeln werde, insbesondere bei der „Götterdämmerung“.
„Farbsuppe ohne Regiekonzept“
Das Publikum reagierte positiver auf den musikalischen Teil und bejubelte Dirigent Christian Thielemann sowie Michael Volle als Wotan und Klaus Florian Vogt als Loge. Thielemann erhielt nur wenige, für Bayreuth jedoch überraschende Buhs.
Infobox: Das KI-„Rheingold“ dauerte zweieinhalb Stunden und löste sowohl Buh-Rufe als auch Applaus aus. Kritik gab es vor allem an der fehlenden Regie und Figurenführung; musikalisch wurden Christian Thielemann, Michael Volle und Klaus Florian Vogt bejubelt.
Quellen:
- In einer Studie hält jeder dritte Jugendliche KI für klüger als seine Lehrer
- Leiden Declaration schafft Regelwerk für KI in der Mathematik
- Deepfakes und Desinformation - Künstliche Intelligenz im Wahlkampf in Israel
- Rettung nach Insolvenz: Warum dieses Hotel im Oberharz auf KI setzt
- KI-Kodex: Umgang mit KI im Bayerischen Rundfunk | Der BR | Inhalt | Unternehmen | BR.de
- 150 Jahre Festspiele - Gemischte Reaktionen auf Bayreuther KI-„Rheingold“ - Bayern













